Elfe (Februar 1990 – 09.03.2009)

Ich will die Gelegenheit beim Schopf packen und über die wundervolle Beziehung, die meine  alte Mischlingshündin Elfe und mich verbindet, berichten. Elfe wurde von mir als ca. 8 Wochen alter Welpe in der Innenstadt Kassels aufgefunden. Als ich sie dort an einem kälteren Apriltag in meine Jacke packte und mitnahm war binnen weniger Minuten war der „Bund fürs Leben“ geschlossen. Tja, bis heute bin ich immer noch glücklich darüber.

Die ersten Jahre begleitete sie mich zur Arbeit, dann gab es eine Zeit wo dies unmöglich war. Ich fand jedoch einen eine sehr gute Hundesitterin, die fünf eigene Hunde hatte – alles Rüden. Elfe war etwa 4 Jahre alt und bis zu diesem Zeitpunkt eher ängstlich.  Durch ihre weibliche  Solostellung entwickelte sie sich zu einer selbstbewussten Hündin.
In ihrer Jugend gab es noch keine Welpengruppen oder Welpenprägetage, ich war also auf mich gestellt und meine Priorität war ganz einfach, sie immer dabei zu haben.
Heute würde ich das natürlich nicht mehr so handhaben, obwohl es schon witzig war, wenn Elfe in meiner Lieblingskneipe genau wusste, wenn beim Billard „die Weiße“ kam und sie diese mit großem Stolz entführte  und quer durch den Laden rannte.
Elfe hat mir meine anfänglichen Erziehungsfehler nicht nachgetragen und bis heute nie die Geduld mit mir verloren.
Ihre schlimmste Erkrankung war eine Rattengift-Vergiftung. Sie war ca. 3 Jahre alt und es begann Sonntags abends mit erbrechen. Nach einer eher durchwachten Nacht konnte sie am nächsten morgen von der Tierärztin  mit etlichen Spritzen und einer Tablettenkur geheilt werden.

Elfe war immer sehr jagdaktiv, dass führte bisweilen zu Beinverletzungen. Zu dem Zeitpunkt kam mir dieses Verhalten auch sehr normal vor. Da sie längstens 5 Minuten weg war, hatte sie mein volles Vertrauen. Sie hatte dann schon mal Zerrungen, einmal 2 Zehen gebrochen und genoss die Heilbehandlungen sehr. Eine Zeit lang kultivierte sie es zu humpeln, wenn sie geschimpft wurde.
Z. B. Elfe versuchte den Müll auszuräumen, wurde gerügt, und schon hatte sie ein schlimmes Bein.
Als sie fünf war geriet mir das erste Buch von E.Trumler  (Mit dem Hund auf du) in die Hände. Ab diesem Moment beschäftigte mich das Wesen des Hundes in vollem Maße.
Ich las sehr viel und begriff nun endlich welches fantastische Wesen ich an meiner Seite habe.
Ich baute eine Hundeschule mit auf. Die Faszination Hund ergriff mich immer mehr.
Die bessere Verständigung zwischen Elfe und mir war eine erstaunliche Erfahrung. Sie lernte sehr schnell alle Sichtzeichen. Als sie 7 Jahre alt war begann ich mit ihr mit Hindernissen zu arbeiten. Sie war total begeistert.


Seit 12 Jahren betreibe ich eine kleine Hundepension, ohne Zwinger. Das Zusammenleben mit Hunden unterschiedlicher Rassen bzw. Mischlingen ist für mich ein ständiger Quell neuer Erkenntnisse.
Immer wieder hat Elfe mir gezeigt wie Souveränität tatsächlich aussieht. Sie hat einen sehr ausgeprägten Sinn für Humor und viel Geduld.
Wenn „es“ ihr doch mal reicht, greift sie kurz durch und ist sofort wieder entspannt. Elfe hat in ihrem Leben noch keinen Artgenossen verletzt.

Irgendwann hatte ich den Entschluss gefasst einen zweiten Hund zu uns zu nehmen, wenn Elfe 13 Jahre alt ist.
Die Auswahl war nicht so schwer, da Elfe Terrier bevorzugt. In einem Pensionsbetrieb kam dann nur der Border Terrier in Frage, da dieser noch in Meuten gehalten wird.
So kam Ludmilla als Elfes kleine Gefährtin zu und in Haus. Ludmilla ist nun 7 Jahre alt und es war für mich immer wieder faszinierend diese exklusive Beziehung zu beobachten. Ludmilla ist der einzige Hund mit dem Elfe spielte, sie fraßen auch öfter aus dem gleichen Napf und teilten sich einen Fensterbankliegeplatz...

Wenn ich es wagte Elfe (bei schlechtem Wetter) vorzuschlagen doch zu Hause zu bleiben, war sie sichtlich empört .

Mein größter Wunsch war zur rechten Zeit die Kraft zu haben zu handeln und sie auf keinem Fall einem Leid auszusetzen, weil ich nicht loslassen kann.
Für mich ist das ein Teil der Verantwortung, die ich übernehmen muss.
Zu meiner Aufgabe gehört sie zu respektieren und zu schützen.
Euthanasie ist eine Möglichkeit ihr den Übergang zu erleichtern.
Dass das Leben mit ihr später einen anderen Rhythmus hatte, empfand ich nicht als Belastung. Auch hob ich sie gern ins Auto und wieder raus.
 ...
Mit 14 Jahren wurde Elfe taub, ihre Augen funktionierten noch so einigermaßen und die Nase recht gut.
Ein Außenstehender bemerkte das gar nicht, ich muss immer aufpassen, damit Leute sie nicht von hinten anfassen und sehr erschreckten.

Elfe wurde am 09.03. mit 19 Jahren eingeschläfert.
Obwohl ich es Alles so gestalten konnte, wie ich es mir wünschte bin ich immer noch oft fassungslos.
Sie lief einen Tag vorher noch eine kleine Runde mit.
Elfe war im Geist noch voll da. Aber die alten Knochen .....
Ihre Hinterhand bereitete Probleme, sie schien keine Schmerzen zu haben.
Meine Seelenfreundin ist weg.

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